
- Hamburger Morgenpost:
"Die Perle an der langen Reihe – Lieblingsherberge von Promis und Politikern"
- Süddeutsche Zeitung:
"Frau Petersens kleines Grandhotel"
- Bildzeitung Hamburg:
"Die Farbe blätterte von den Wänden, es tropfte durchs Dach. Das 200 Jahre alte Haus in der Langen Reihe 50 verrottete langsam. Mittendrin: Sarah Petersen (56) mit ihrer "Künstler Pension". Sie mußte ins Ausweichquartier - umziehen in die Lange Reihe 88. Seit eineinhalb Jahren sitzt sie nun in einem Ausweichquartier, schaut den Renovierungsarbeiten zu. Im August soll die alte Pension Petersen in neuem Glanz neu eröffnen. BILD-Hamburg schlenderte mit Sarah über die Baustelle. "Ich habe das Haus 1965 von einer Freundin meiner Oma übernommen, überall standen alte Möbel rum", sagte Sarah. Das Hotel eröffnete sie 1984. Stellte die alten Schränke, Tische, Betten rein. Los ging's. Jetzt macht der Restaurator die Stücke fit. Die neue Pension soll richtig edel werden. Im Flur zeigt Sarah an die Wand:"Hier werde ich Bilder ausstellen." Im Frühstücks-Salon (erster Stock) überall noch Bauschutt. Sarah wird melancholisch:" Hier legten Lotti Huber und Rosa von Praunheim einen Tango aufs Parkett." Der Filmemacher malte der Hoteldame sogar ein Portrait - das hängt im Speisezimmer.
Im Nachbarzimmer (schon gelb gestrichen) schloß sich einmal Künstler Max Marek ein. "Der malte einfach drei Tage und Nächte durch", erinnert sie sich, "zu Hause hatte er keine Ruhe." Wieder gab's ein Dankeschön: ein Aquarell für Sarah. Auch "Die Ärzte", Marianne Rosenberg und Christoph Schlingensief betteten sich schon bei Sarah. Sie erinnert sich gerne an die verrückte Zeit, als es nur ein Bad im ganzen Hotel gab, die Zimmer noch 80 Mark kosteten. "Den Künstlern hat's nichts ausgemacht, die möchten das individuelle Flair." Ab August soll alles ganz schick werden. Alle sechs Zimmer bekommen Bad, TV, Fax, Telefon. Die Suite mit Dachterrasse kostet dann 500 Mark. Für die jungen Künstler gibt's noch ein Dachzimmer für 120 Mark."
- Hinz und Kunzt
"Irgendwann hatte Sarah Petersen das Leben in der Wohngemeinschaft gründlich satt. Alleine wollte sie allerdings auch nicht wohnen. Und da sie selbst malt und viele Künstler kennt, fand sie es "fast logisch", eine Künstler-Pension zu eröffnen.Seit zehn Jahren ist das Bieder-
meierhaus in der Langen Reihe 50 Treffpunkt für Leute wie die Berliner Schauspielerin Lotti Huber,
den Maler Max Marek und andere (Lebens-) Künstler. Ihr Jubiläum feiert Sarah Petersen mit einer Ausstellung. Auch Nicht-Gäste sollen einen Blick in "Mein geliebtes Gästebuch" werfen können. Ein Geheimtip ist die Künstler-Pension längst nicht mehr. Im Merian-Heft über Hamburg wird ihr Hotel sogar in einem Atemzug, na, sagen wir: auf einer Seite mit dem "Vier Jahreszeiten" genannt. Natürlich ist der Preis ein anderer (um 80 Mark pro Nacht) und auch der Komfort. Die Gäste in dem verwinkelten Häuschen müssen sich beispielsweise das Badezimmer auf dem Flur teilen.
Ihre Kundschaft schreckt das nicht: Die Deutsch-Rocker "Die Ärzte" haben schon bei ihr genächtigt (Petersen-Kommentar: "brave Jungs") und die Sängerin Marianne Rosenberg. Und wer unten zur Tür hereinkommt, den empfängt gleich Mick Jagger - auf einem vergrößerten Foto mit Widmung.
Zugegeben, das mit den Rolling-Stone Jagger stimmt nicht ganz. Der, der sich da im Gästebuch der Hausherrin verewigt hat, sieht dem Rockidol mit dem Schmollmund zwar verblüffend ähnlich, ist aber nur ein Jagger-Imitator.
Wirklich einquartiert hat sich bei ihr allerdings der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim. Und er lieferte den Beweis, daß er nicht nur Regie führen kann: Er malte ein Portrait seiner Gastgeberin- Sarah Petersen melancholisch und geheimnisvoll. "Rosa kam eines Nachts zurück ins Hotel - und hatte sich schrecklich in einen Mann verliebt.", sagt Sarah Petersen. Man kann sich die Szene richtig vorstellen: Wie von Praunheim der Pensionswirtin in der kleinen Bar, die morgens als Frühstücksraum dient, sein Herz ausschüttet und zu Leinwand und Pinsel greift. Böse Zungen sagen sogar, daß er lieber nur noch malen sollte...Die gute Stimmung an jenem Abend muß angehalten haben. Nach dem Frühstück legten Lotti Huber und Rosa von Praunheim noch einen Tango aufs Parkett.
Was Sarah Petersen, die in Amerika Kunst studiert hat, besonders freut:"Oft quartieren sich auch Hamburger Künstler bei mir ein. Einfach, weil sie hier besser arbeiten könne als zuhause." Wie Max Marek. Drei Tage und Nächte schloß er sich in seinem Hotelzimmer ein und malte. Als Dankeschön hinterließ er der Hausherrin eine pralle Seemannsbraut. "Keines seiner anderen Bilder gefällt mir so gut wie diese Frau", sagt die 52jährige Pensionswirtin. "Das Bild ist so lebensfroh und lichtdurchflutet."
Das die Atmosphäre sogar in Reiseführern Erwähnung findet, hat natürlich viel mit Sarah Petersen zu tun. "Es ist immer so gemütlich und lieb bei Dir", schrieb ihr Lotti Huber ins Gästebuch. Sarah Petersen hat immer ein offenes Ohr, selten ist die Tür zu ihren Privaträumen geschlossen, und auch für die ausgefallenen Wünsche ihrer Gäste ist sie offen. In welchem anderen Hotel etwa hatte der Regisseur Christoph Schlingensief sonst "eben mal" so Szenen abdrehen können, in denen Zimmer mit scharzen Tüchern verhängt werden und Schreie durch den Flur gellen? In der Künstler-Pension von Sarah Petersen ist so etwas nicht nur erlaubt, sondern geradezu an der Tagesordnung. Zu dem besonderen Flair des Hotels gehört auch das zweihundert Jahre alte Reihenhaus, von dem Sarah Petersen glaubt, daß es das älteste seiner Art in St. Georg, zumindest aber in der Langen Reihe ist. "Daß die Abrißbagger immer einen großen Bogen um Deine Hütte machen", wünscht ein Gast beispielsweise zum Abschied. "Das war zu Zeiten, als das Haus noch nicht unter Denkmalschutz stand", sagt Sarah Petersen. "Da hatten wir ständig Angst vor der Abrißbirne " Jetzt droht dem Fachwerkhaus aus anderen Gründen der Garaus: Der Senat und die Immobiliengesellschaft, der es jetzt gehört, hatten eigentlich geplant, das Haus zu restaurieren, aber die Mittel sind nicht bewilligt worden - die Stadt muß sparen.
Für ihr Hutzelhäuschen mit den knarrenden Stiegen ist Sarah Petersen entschlossen zu kämpfen. Sie liebt dieses Haus, in dem sie seit dreißig Jahren wohnt und in dem früher so einige Originale gelebt haben. Liesel Heberling etwa, deren Büste im Wohnzimmer von Sarah Petersen steht. "sie war eine der ersten Zirkusdompteusen im Wilhelminischen Reich", sagt die Pensionswirtin. Später heiratete sie in die gutbürgerliche Familie Heberling ein und sorgte für Trubel. Mal wurde sie von ihrer Zirkus-Verwandtschaft besucht, mal erschreckte sie die Nachbarn. Denn ein paar ihrer wilden Tiere hatte sie behalten, wenn auch im Käfig. So jedenfalls hat Sarah Petersen die Geschichte von ihren Patentanten, Schwestern von Lises Ehemann, gehört.
Und mit dem Haus in der Langen Reihe 50 verbindet Sarah Petersen auch einen Traum. Sie will die Tradition der Künstler-Salons wiederbeleben. Das nächste Mal übrigens am 5. Juni. Sauni-Luis Otto (Gesang) und Christian Heckelsmüller (Klavier und Gesang) werden in einem musikalischen Streifzug durch die Musicals der 30er bis 50 er Jahre machen (Anmeldung erforderlich). Dazu öffnet Sarah Petersen auch wieder die Türen zu ihrem Wohnzimmer. Denn auch wenn sie nicht mehr in Wohngemeinschaften leben will: Gesellig ist Sarah Petersen noch immer."
